– von wegen! Das Wochenende habe ich gut 500 km nördlich verbracht. Eine Schulfreundin meiner Mutter hat mich zu sich eingeladen, zu einem originalen Erlebnis im finnischen Wald, das man in der Hauptstadt sicherlich nicht geboten bekommt. Die Kamera hab ich leider daheim vergessen.
Einschub am Rande: OpenOffice geht mir zunehmend auf den Keks. Wenn man stilistisch äußerst wertvoll einen Gedankenstrich an den Anfang einer Zeile setzt, macht die Auto-Korrektur automatisch eine Aufzählung daraus. Das wieder wegzukriegen, ist ganz und gar nicht trivial. So wenig, dass es schneller ist, einfach alles zu löschen und nochmal zu schreiben. Wenn ich dann etwas aus dem Schreibprogramm in den Browser kopiere (fürs ins-Blog-Setzen), hab ich dann nicht einfach den Text, sondern noch jede Menge spitze Klammern mit XML drin. Ich hasse diese Dinger, die immer meinen, die Intention des Autors zu kennen, und dann daneben liegen wie ein umgefallener Baum im finnischen Wald. Nicht, dass Word besser wäre.
Aber weiter im Text: Die Zugfahrt hoch dauerte geschlagene acht Stunden, während der die Landschaft um mich immer weißer wurde. Eine gute davon bestand daraus, am Bahnhof einer für mittelfinnische Verhältnisse halbwegs großen Stadt zu warten, bevor der Zug weiterfuhr. Liegt vermutlich daran, dass die Strecken hier eingleisig sind und der Zug nicht mit einem in der entgegengesetzten Richtung zusammenstoßen wollte. Kann ich irgendwo verstehen, hätte mir auch nicht gepasst. Jetzt bin ich auf der Rückfahrt, diesmal von besagter Fasthalbwegsgroßstadt und ohne Umsteigen, nur 6 Stunden 40 Minuten. Hoffentlich ohne Rumstehen.
Weiterhin gefallen mir die Züge sehr gut. Auf der Hinfahrt hatte ich zwei Stunden InterCity. Die Züge sehen bisschen schneller aus und machen 160 km/h. Die aktuelle Geschwindigkeit kann man an kleinen Monitoren ablesen, die in jedem Abteil hängen. Komfortabel isses allemal, wackeln tuts nicht. Wenn lieb drum bittet (wie ich) kriegt man nen Platz mit Steckdose und Tisch reserviert, damit man auf der Fahrt fürs Blog schreiben kann. Die Tische sind leider sehr schmal und zu weit von den Sitzen entfernt, so dass das Tippen nicht so angenehm ist. Aber für meine Leserschaft nehme ich doch jede Strapaze auf mich!
Später stieg ich in einen sogenannten Schnellzug um. Der sieht überhaupt nicht schnell aus. Dafür war er an der gegenüberliegenden Seite desselben Bahnsteigs, so dass die fahrplanmäßige Umsteigezeit von 8 Minuten locker ausreichte. Über die tatsächliche Geschwindigkeit wird man auch nicht informiert. Die Waggons waren wohl schon ein paar Jährchen alt, aber dafür gut erhalten. Die Sitze sind breiter und komfortabler als im InterCity, und die Tische wesentlich größer und klüger platziert. Zwischenzeitlich waren auf dem Tisch drei Thinkpads und ein iPod, was keinerlei Problem darstellte. Nur die zwei Steckdosen reichten nicht, aber mit nem Akku kann man sich ja am Strom abwechseln. Ein Zugrestaurant gab es auch, da ich aber von allen Seiten davor gewarnt wurde, verzichtete ich drauf. Die Toiletten waren noch so richtig rustikal. Die Spülung war im wesentlichen ein mechanischer Hebel, der eine Klappe unten in der Kloschüssel öffnete und alles auf die Gleise beförderte. Ein Plumpsklo auf Rädern. Daneben waren dann Telefonkabinen (schalldicht, zum mit-Handy-Reingehen) und der Raucherraum. Nette Idee, aber ich konnte es jedes Mal sehr deutlich riechen, wenn jemand drinnen gewesen war.
Am Rande: Die Preise sind auch ohne Bestellung drei Monate vor der Fahrt und feste Zugbindung deutlich günstiger als die der Deutschen Bahn. Für Studenten zumindest, als solcher kriegt man nämlich 50% Ermäßigung. Eine Platzreservierung ist obligatorisch und kostenlos.
Ankommen tat ich kurz nach 10 Uhr abends, etwas früher als laut Fahrplan. VR (die finnische Bahn) kriegt das mit der Pünktlichkeit deutlich besser auf die Reihe als die DB. Mit der Freundlichkeit übrigens auch. Meine Gastgeberin holte mich vom Bahnhof ab und erzählte mir auf der Autofahrt heim ein bisschen, was es da so gab. Viel war das nicht, aber dafür war ich ja auch nicht da. Angekommen, wurde ich erstmal mit Pastasalat und Lachssuppe gefüllt. War etwas spät zum Essen, aber das war wirklich gut. Konnte ich mir nicht entgehen lassen, die Gelegenheit.
Am nächsten Tag frühstückte ich dann endlich mal wieder Puoro (Brei). Lang ist's her. Vermisse ich irgendwie, aber trotzdem bin ich immer zu faul, das selbst zu machen. Danach dann auf zum Mökki (Häuschen am See ohne Strom und Wasser, aber mit Sauna) der Nachbarn. Paar Kilometer Autofahrt und noch etwas durch den verschneiten Wald stapfen. Der See hatte eine ziemlich dicke Eisdecke. Allgemein hat mir das Wochenende den Glauben an den richtigen finnischen Winter zurückgegeben.
Der Nachbar ist ein finnisches Original. Auf einem offenen Feuer räucherte er Fisch. Mit der Motorsäge bekam die Eisdecke des Sees ein Loch verpasst, zum Abkühlen nach der Sauna. Während die Sauna aufwärmte, machten wir außerdem noch eine Einstiegsleiter in den See aus Birke. Ich verteidigte die Familienehre und nagelte das Ding zusammen. Stellte mich dabei zwar ziemlich dämlich an, aber immerhin.
In der Sauna gab es dann mehr Löyly, als ich je zuvor erlebt hatte. Überstehen tat ich es dennoch recht gut. Als ich rauskam, war mir dann so heiß, dass ich mich ins Eisloch traute. Dreimal insgesamt, nach jedem Saunagang einmal. Ein fantastisches Erlebnis, das revitalisiert wie sonst nichts in der Welt. Meine mitgebrachte Erkältung wurde auch eher besser als schlechter. Wer die Gelegenheit bekommt, sollte sie unbedingt ergreifen.
Vor der Sauna konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, nochmal ein bisschen Scheiße zu bauen. Besagter Nachbar hatte einen Motorschlitten dabei, zum Transport der Räucherausrüstung, des Essens, des Alkohols und so weiter. Zuerst durfte ich auf dem Ding mal mitfahren, es gab eine Tour über den zugeeisten See. Auf 110 beschleunigte er, hossa. Und sprang über ein Loch im Eis. Das begeisterte mich so sehr, dass ich auch ein bisschen was probieren wollte, als ich später selbst ans Steuer durfte.
Mir wurde eingeschäft, nicht schneller als 40 zu fahren, was auf so nem Dingauch genug ist. Wenn man an 130 auf der Autobahn gewöhnt ist, hört sich das wenig an, aber ohne Dach, Helm, Brille und sonstwas auf ner Eisfläche... Ich jedenfalls wollte ein bisschen sliden. Kennt man ja aus Mario Kart. Allerdings kippen die Karts dort nicht zur Seite um, bloß weil man scharf in die Kurve geht. Der Motorschlitten auch nicht, das Sliden ging gut. Dann kam ich auf die glorreiche Idee, während des Slides in die eine Richtung den Lenker umzureißen und nochmal einen zur anderen Seite dranzuhängen. Das war eine schlechte Idee. Und der Punkt, an dem das Gefährt endgültig beweisen zu wollen schien, dass es nicht von Nintendo programmiert wurde. Es kippte zur Seite und warf mich ab, ein paar Meter übers Eis. Wieder einmal bin ich dankbar für die Fallschule aus dem Kampfsporttraining.
Aber erzählt die Geschichte bloß nicht meinen Eltern! Wobei... die lesen hier ja eh mit. Dann kann ich für sie immerhin hinzufügen, dass ich unverletzt bin. Die Kurs- und Vereinsmitgliedschaftsgebühren haben sich ausgezahlt. Dem Motorschlitten hab ich bei der Aktion freilich die Plastikwindschutzscheibe zerbrochen. Ups... Der Nachbar weigerte sich aber, das von mir bezahlen zu lassen.
Am Tag drauf gab es dann nicht mehr so viel. Meine Gastgeberin zeigte mir die Skigebiete hier in der Gegend, und wir fuhren in die Stadt, aus der der Zug abfuhr. Bisschen rumlaufen und gucken, aber am Sonntag ist natürlich alles tot und zu. Immerhin zu den Burgruinen konnten wir. Schönes Städtchen jedenfalls. Sogar an der einen Disko, die es dort gibt, kamen wir vorbei. Onnela, eine Kette in Finnland. So wie fast alles zu irgendner Kette oder großen Firma gehört.
Nun ist das vorbei, ich sitze im Zug und blicke auf eins der besten Wochenenden zurück, das ich hier in Finnland hatte. Einmal ein anderes Finnland, abseits des internationalen Helsinki mit all seiner Mode, den vielen Geschäften. Das Ursprünglichere des Landes, abseits der dichter besiedelten Gegenden. Wäre doch schade, wenn ich das verpasst hätte.
Nun muss ich nur noch fünfeinhalb Stunden hier im Zug verbringen. Vielleicht lern ich was oder so. Mal gucken, wann ich diesen Eintrag hier wirklich ins Blog stelle. Hab ja grade erst was geschrieben. Vielleicht lest ihr das also erst, wenn es schon etwas zurückliegt. Ihr versteht.
Donnerstag, 17. April 2008
Donnerstag, 3. April 2008
Hullut Päivät
... sind jetzt im größten (tollsten, schönsten, teuersten... und überhaupt!) Kaufhaus der Stadt, Stockmann. Zu deutsch: Verrückte Tage. Die Angebote sind in der Tat beachtlich, und zwar nicht auf Ramschware, sondern schöne, gute Sachen. Ich hab gleich mal mein Konto geleert. Wollte sowieso schon länger neue Sachen zum Anziehen kaufen, schreckte aber vor den Preisen zurück. Das ist ja jetzt nicht mehr das Problem. Da kommt ein ordentlicher Betrag an gespartem Geld bei rum, das ich sogleich für noch mehr Krempel ausgegeben habe. War fällig.
Voll isses dort natürlich. Das ganze Haus ist noch mehr mit Waren vollgestellt als sonst, und dazwischen drängen sich die Leute. Da spart man dann locker 50 Euro auf einmal, weil man irgendwas kauft, das man eigentlich nicht will oder braucht, das aber soooo stark reduziert ist. Konnte ich mir aber verkneifen. Kaffeemaschinen sprachen mich eh noch nie an.
Sowieso erzählte mir neulich eine Russin, in Russland seien Diesel-Sachen locker doppelt so teuer wie hier. Und hier isses schon lächerlich viel. Ich nehme Diesel immer sehr gern als Beispiel für so etwas. In meinem Verständnis ist das die Marke mit den unverschämtesten Preisen (Boss und so guck ich gar nicht erst an). Hab dennoch was gekauft. Wie gesagt: Rabatte!
Da hinter der Aktion eine kommerzielle Firma steckt, fragt man sich schon, wo die da Gewinn machen. Wenn man aber mal hinguckt, dann sind die Preise immer noch über den Herstellungskosten. Daran haben wir uns aber ja längst gewöhnt, in einer Welt, in der Turnschuhe für 5 Dollar in der Dritten Welt von Kindern zusammengenäht und uns für 100 Dollar verkauft werden. Selbst wenn man die mal ne Woche lang für 50 Dollar verkauft, bleibt Gewinn.
Weiterhin wollte ich ja von Stockholm erzählen. Wir waren vor ner Weile schon dort und haben geguckt. Die schönsten Bilder sind hier verstreut. Für jedes, das ihr findet, gibt's nen Gummipunkt! (Ihr erinnert euch: Wenn man 100 Gummipunkte hat, kriegt man so viele Waschmaschinen, wie man tragen kann.) Zu Stockholm ist zu sagen, dass es eine wunderschöne Stadt ist. Das Wetter war ausgesprochen gut, und wir erkundeten so diverse Ecken. Groß isses auch, obwohl die Einwohnerzahl recht niedrig ist für die Fläche. Dafür sind von den Einwohnern alle unglaublich freundlich und lieb. Verglichen mit Finnland, mein ich. Verglichen mit Deutschland ist der Unterschied natürlich noch viel größer.
Hin sind wir natürlich mit dem Schiff. Darum ranken sich die wildesten Gerüchte. Von Sex die Nacht durch hört man da, von jungen Leuten, die sich aufs Schiff begeben, einzig und allein, um sich volllaufen und entjungfern zu lassen. Ist aber alles falsch. Hauptsächlich waren da junge Familien und Touristen in einem Alter, in dem man keine Jungfrau mehr sein sollte. Falls da irgendwer Sex gehabt haben sollte, hat er sich gut vor uns versteckt. Wieder einer dieser Mythen, hinter denen nichts steht. Gut, bedauern tu ich es nicht wirklich, das hätte mir noch gefehlt, bei der Rückkehr in die Kabine über kopulierende, sich übergebende Teenager zu stolpern. Womöglich hätte ich mir den Kopf angeschlagen und die Reise ruiniert.
Die Metro fährt in Stockholm übrigens bis spät in die Nacht. Keinerlei Probleme, nach Hause zu kommen. Im Gegensatz zu einer anderen skandinavischen Großstadt, die namentlich nicht genannt werden möchte. Dafür sind die Preise fürs Weggehen schlicht lächerlich. Man sollte meinen, so viele Klubs und Kneipen, wie dort sind, würde es Konkurrenz und Preisdruck geben. Aber nein: Eintrittspreise von 150 Kronen und (teilweise deutlich) mehr waren die Regel. Die Schweden hat das aber nicht gestört, denn noch dazu musste man sich ewig in die Schlange stellen, bevor man das Portemonnaie leeren durfte.
Der April in Helsinki bietet übrigens nicht nur Hullut Päivät, sondern auch die Ankunft des Frühlings. Man freut sich über +5°C, Sonne und wolkenfreien Himmel. Endlich. Wurde höchste Zeit nach dem ganzen Geregne und den 2-Tages-Schneefällen, nach denen eh gleich alles wieder schmolz. Das hebt meine Laune doch ganz erheblich, und nicht einmal der Gedanke an handgearbeitete Turnschuhe kann mich runterziehen. Zumal auch sonst alles wunderbar ist: Vor zwei Tagen hab ich eine Präsentation gehalten, die recht intensiv vorzubereiten war. Das nicht mehr machen zu müssen, ist schon ein Glück. Jetzt fehlt mir nur noch eine Prüfung im Mai, um meine selbstgesteckten Studienziele hier an der Uni zu erfüllen. Freizeit! Auch sonst kann ich mich nur freuen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass ich noch immer keinen Praktikumsplatz für den Sommer gefunden habe. Die wollen mich alle nicht. Ist aber auch nicht so schlimm. Wenn das nichts wird, reise ich halt in den Monaten durch Europa, jetzt kenn ich ja genug Leute überall.
Voll isses dort natürlich. Das ganze Haus ist noch mehr mit Waren vollgestellt als sonst, und dazwischen drängen sich die Leute. Da spart man dann locker 50 Euro auf einmal, weil man irgendwas kauft, das man eigentlich nicht will oder braucht, das aber soooo stark reduziert ist. Konnte ich mir aber verkneifen. Kaffeemaschinen sprachen mich eh noch nie an.
Sowieso erzählte mir neulich eine Russin, in Russland seien Diesel-Sachen locker doppelt so teuer wie hier. Und hier isses schon lächerlich viel. Ich nehme Diesel immer sehr gern als Beispiel für so etwas. In meinem Verständnis ist das die Marke mit den unverschämtesten Preisen (Boss und so guck ich gar nicht erst an). Hab dennoch was gekauft. Wie gesagt: Rabatte!
Da hinter der Aktion eine kommerzielle Firma steckt, fragt man sich schon, wo die da Gewinn machen. Wenn man aber mal hinguckt, dann sind die Preise immer noch über den Herstellungskosten. Daran haben wir uns aber ja längst gewöhnt, in einer Welt, in der Turnschuhe für 5 Dollar in der Dritten Welt von Kindern zusammengenäht und uns für 100 Dollar verkauft werden. Selbst wenn man die mal ne Woche lang für 50 Dollar verkauft, bleibt Gewinn.
Montag, 24. Dezember 2007
Juha und die Schokoladenfabrik
Ich hatte schon längere Zeit den Bericht über meinen Besuch bei Fazer auf dem Rechner rumfliegen. War aber die eine Hälfte der Zeit zu faul, ihn hier reinzustellen, und hab es die andere Hälfte der Zeit vergessen. Shame! Aber nun konnte ich mich endlich aufraffen. Und siehe da, hier kommt der verschollene Text:
Habt ihr schonmal so einen alten Bus gesehen? Ich bin sogar damit gefahren. Ich war nämlich bei Fazer, in Vantaa. Fazer ist der größte (und beste!) finnische Schokoladenhersteller und hat dort eine Fabrik. Irgendwie muss man ja von Helsinki nach Vantaa kommen und die 20 Kilometer legten wir mit dem Bus zurück. Dass es so ein Bus sein würde, ahnte ich freilich nicht – mich hatte ja niemand vorgewarnt. Mit einem unglaublichen Busfahrer, der von uns wohl am meisten Spaß an der Besichtigung hatte. Irgendwie überlebten wir die Fahrt.
Dort angekommen, gab es erst einmal die obligatorische Erklärung zum Prozedere (Hände Waschen, keine Taschen mitnehmen, keine Produktionsanlagen fotografieren, hässliche Überschuhe, hässliche Haarnetze, ...) und ein wenig firmeneigene Propaganda, Werbefilmchen und so. Und natürlich das Versprechen, Schokolade zu bekommen!

Aber vor der Schokolade kam eine Führung, nicht etwa durch die eigene Fabrik, sondern durch einen Korridor für Besucher. Mit Kakaobohnen, Informationen über die Ernte der Früchte des Kakaobaums, die Gewinnung von Kakaobutter und Kakaomasse, die Herstellung der eigentlichen Schokolade. Natürlich nochmal der Hinweis darauf, dass Fazer der einzige Schokoladenhersteller der nordischen Länder ist, der frische Milch und nicht etwa Milchpulver verwendet. Dekoriert wurde das von uralten Maschinen, mit denen ganz früher mal Schokolade gemacht wurde. Die sehen irgendwie sehr generisch aus, ich hab trotzdem Fotos gemacht.
Danach wurden wir tatsächlich auf die eigentliche Fabrik losgelassen. Die Schokoladenproduktion selbst wollte man uns nicht zeigen. Die war wohl zu empfindlich und geheim und deshalb durften wir sie nur vor der Führung in den kleinen Propagandafilmchen betrachten. Was aber natürlich nicht das selbe ist, wie direkt neben dem Zeugs zu stehen. Aber sei es drum. Immerhin sahen wir das Büro der Menschen, die jeden Tag die Tagesproduktion probekosten (nein, nicht die ganze Produktion, nur Stichproben), um zu überprüfen, dass man das, was man so den ganzen Tag lang verbrochen hat, auch wirklich den Kunden zumuten kann. Sonst sahen wir einen Roboter, der mit mehreren Armen (einer pro Pralinensorte) die Pralinenschachteln füllte. Und gerade als wir da waren ein ziemliches Chaos veranstaltete. Die halbvollen Schachteln vom Förderband schubste, die Pralinen daneben fallen ließ und so Dinge. Das war wenigstens lustig.
Viel mehr beinhaltete die Führung auch nicht. Danach wurden wir auf eine Station losgelassen, an der wir unbegrenzt Schokolade essen durften (wenn auch nichts mitnehmen). Das war auch durchaus erfreulich und sparte mir das Mittagessen für den Tag (kalorientechnisch hätte ich wohl eine Woche lang danach nichts essen brauchen). Ein paar neue Sorten entdeckte ich durchaus.
Danach war dann alles vorbei. Wir durften nochmal in einen Laden mit Schokolade (denkt euch das blöde Wortspiel selbst) und reduzierten Preisen, um dort ganz viel leckere Dinge zu kaufen. Das gab es zwar alles auch im Supermarkt, aber eben für mehr Geld. Als wir dort mit vollen Tüten und leeren Brieftaschen rauskamen, bekamen wir noch eine kleine Tüte mit ein paar Fazerprodukten in die Hand gedrückt. Auch sehr erfreulich.
Anschließend gingen wir wieder zu unserem hochmodernen Reisebus, der uns (überraschenderweise wieder ohne Panne und Unfall) zurückbrachte. So muss ich denn sagen, dass die Reise durch die Schokoladenfabrik enttäuschend unspektakulär war. Keine großen Kessel mit flüssiger Schokomasse gesehen. Dafür waren die Leute dort ziemlich freundlich und spendierten Süßzeugs. Das entschädigt für Einiges.
Dort angekommen, gab es erst einmal die obligatorische Erklärung zum Prozedere (Hände Waschen, keine Taschen mitnehmen, keine Produktionsanlagen fotografieren, hässliche Überschuhe, hässliche Haarnetze, ...) und ein wenig firmeneigene Propaganda, Werbefilmchen und so. Und natürlich das Versprechen, Schokolade zu bekommen!
Danach wurden wir tatsächlich auf die eigentliche Fabrik losgelassen. Die Schokoladenproduktion selbst wollte man uns nicht zeigen. Die war wohl zu empfindlich und geheim und deshalb durften wir sie nur vor der Führung in den kleinen Propagandafilmchen betrachten. Was aber natürlich nicht das selbe ist, wie direkt neben dem Zeugs zu stehen. Aber sei es drum. Immerhin sahen wir das Büro der Menschen, die jeden Tag die Tagesproduktion probekosten (nein, nicht die ganze Produktion, nur Stichproben), um zu überprüfen, dass man das, was man so den ganzen Tag lang verbrochen hat, auch wirklich den Kunden zumuten kann. Sonst sahen wir einen Roboter, der mit mehreren Armen (einer pro Pralinensorte) die Pralinenschachteln füllte. Und gerade als wir da waren ein ziemliches Chaos veranstaltete. Die halbvollen Schachteln vom Förderband schubste, die Pralinen daneben fallen ließ und so Dinge. Das war wenigstens lustig.
Viel mehr beinhaltete die Führung auch nicht. Danach wurden wir auf eine Station losgelassen, an der wir unbegrenzt Schokolade essen durften (wenn auch nichts mitnehmen). Das war auch durchaus erfreulich und sparte mir das Mittagessen für den Tag (kalorientechnisch hätte ich wohl eine Woche lang danach nichts essen brauchen). Ein paar neue Sorten entdeckte ich durchaus.
Danach war dann alles vorbei. Wir durften nochmal in einen Laden mit Schokolade (denkt euch das blöde Wortspiel selbst) und reduzierten Preisen, um dort ganz viel leckere Dinge zu kaufen. Das gab es zwar alles auch im Supermarkt, aber eben für mehr Geld. Als wir dort mit vollen Tüten und leeren Brieftaschen rauskamen, bekamen wir noch eine kleine Tüte mit ein paar Fazerprodukten in die Hand gedrückt. Auch sehr erfreulich.
Anschließend gingen wir wieder zu unserem hochmodernen Reisebus, der uns (überraschenderweise wieder ohne Panne und Unfall) zurückbrachte. So muss ich denn sagen, dass die Reise durch die Schokoladenfabrik enttäuschend unspektakulär war. Keine großen Kessel mit flüssiger Schokomasse gesehen. Dafür waren die Leute dort ziemlich freundlich und spendierten Süßzeugs. Das entschädigt für Einiges.
Freitag, 14. Dezember 2007
Cork in Irland
Neulich begab es sich, dass wir uns zu elft nach Cork aufmachten. Das ist mit 190.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der irischen Republik, die drittgrößte der Insel. Und sieht ziemlich kaffig aus, wobei das natürlich positiv zu verstehen ist. Am University College Cork (UCC) fand nämlich ein Debattierwettbewerb statt, und zusammen mit neun anderen Leuten von hier nahm ich teil, ein weiterer kam noch als Richter mit. Fliegen taten wir mit Ryanair von Tampere über Stansted bei London direkt nach Cork. Diese Fluggesellschaft war wirklich eine Überraschung, und zwar keine positive. Aber später mehr dazu.
Cork ist ein wunderschönes Dorf, das sich ziemlich weit erstreckt. Die größten Häuser, die ich sah, hatten fünf Stockwerke, die waren aber die Ausnahme. Meistens gab es nur ein Obergeschoss. Dagegen ist Helsinki eine riesige Weltmetropole. Stimmung hat es aber in Cork jede Menge. Alles sah wundervoll irisch aus, so als würde sich hinter jeder Fassade ein irischer Pub verbergen. Und zumindest das Gerichtsgebäude ist ein gutes Stück größer.
Das alles bekamen wir aber erst am Sonntag zu sehen. Waren zwar schon Freitag früh da, aber nach dem nächtlichen Flug schliefen wir erstmal und dann ging schon der Wettbewerb los. Der brachte einiges an Spaß, und ich habe mit (gegen) ziemlich gute(n) Leute gesprochen. Die Stimmung war auch gut, mit fast allen konnte man danach locker reden und sie stellten sich als recht freundlich heraus. Das kam auch bei den Socials (i.e., alle zusammen in eine Bar, von denen alle in Cork um 2 Uhr schließen) der beiden Wettbewerbsabende zugute. Langweilig wurde es jedenfalls Freitag und Samstag nicht im geringsten.
Das UCC hat einen komplett umzäunten Kampus, alles an dieser einen Stelle versammelt. Macht den Eindruck, als dürfe ja kein Unbefugter rein und kein Student jemals mehr raus. Auf der Außenseite des Zauns sind enge Gassen und niedrige Häuschen, innen ragen die riesigen Bauten der Universität empor. Besonders die alten sind sehr beeindruckend, das UCC gibt es schon eine ganze Weile, seit 1845. Schaut einfach selbst, mir gefallen sie. Daneben sind dann freilich auch hässliche Betonbauten. Sie haben es tatsächlich gewagt, einen davon nach Boole zu benennen. Einerseits ist es ja fein, wenn man ein Boole-Gebäude hat, andererseits stört es mich doch, dass es derart hässlich ist. Ein Bild davon wollte ich nicht aufnehmen, die gleiche Ansicht kriegt man an beliebigen Universitäten in Deutschland genauso, eine Zeit lang waren diese Betonklötze modern.
Zum Glück gibt es aber auch noch Neubauten dort, die nach was aussehen. Bei denen hab ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, ein paar Bilder zu machen. Viel Glas und elegante Formen. Ich frag mich bei solchen Neubauten (denen, die mir gefallen) immer, ob vielleicht in 30 Jahren jemand genauso über sie zetert wie ich jetzt über die Monstrosität, die man nach Boole benannt hat. Wir werden sehen...
Eine Kapelle gibt es auf dem Kampus auch. Katholisch natürlich, wie
das ganze Land. Die gefällt mir sehr gut, die Mosaike und Verzierungen
drinnen finde ich sehr prächtig. Leider war das Licht etwas schummrig und der Raum natürlich zu groß für den kleinen Blitz der Kamera, so sind die Aufnahmen nicht perfekt geworden. Aber das Wichtige sieht man. In dieser Kapelle war dann auch das Finale des Wettbewerbs. Die Leute waren verdammt gut, puh.
Als am Sonntag alle ausgeschlafen waren, versuchten wir erstmal zu duschen. Untergebracht waren wir in der recht großen Wohnküche einer WG, die eines der Häuschen beim Kampus bewohnte. Irgendeine Intelligenzbestie hatte natürlich in der Nacht die Heizung ausgemacht. Außer dass es beim Aufstehen ziemlich eisig war, fehlte dadurch auch das warme Wasser. Ein Wiedereinschalten der Heizung half nichts. Zum Glück tauchte eine Nachbarin aus der WG nebenan auf und war so freundlich, mich ihr Bad benutzen zu lassen. Nebenbei lästerte sie etwas, das Wasser bei unseren Gastgebern funktioniere dauernd nicht richtig. Irgendwie glaub ich ihr.
Anschließend zogen wir los, ein wenig die Stadt zu erkunden. In Irland ist natürlich am Sonntag alles offen, genau wie in Helsinki. Sehen taten wir halt das Übliche einer Stadt. Die Altstadt scheint sich über ganz Cork zu erstrecken, die Geschäfte sind in den gleichen Häuschen, die in der ganzen Stadt das Bild prägen, und sehen von außen alle aus wie Pubs. Eine gute Buchhandlung und eine Art Flohmarkt mit jeder Menge Krempel fanden wir, insgesamt war es aber wenig aufregend.
Am nächsten Morgen war dann der Flug nach Stansted. Mit Ryanair natürlich. Zu denen sollte ich mal ein Wörtchen verlieren. Wäre ich intelligent gewesen, hätte ich über Aer Lingus gebucht, wäre direkt von Helsinki nach Dublin geflogen und von dort mit einem Zug oder Bus nach Cork. Das wäre mich billiger gekommen als die 300 Euro, die ich bei Ryanair gelassen habe. Dazu kommen Reisekosten nach und von Tampere, denn Ryanair fliegt natürlich nicht von Helsinki-Vantaa. Die Reisepläne sind so sinnvoll, dass man gegen Mitternacht in Stansted ankommt und erst morgens weiterfliegt. Und auf dem ganzen Flughafen gibt es keine Stühle, geschweigedenn Sofas. Eine Nacht auf dem Flughafenfußboden hat aber auch was, zum Beispiel Schlafmangel.
Ist man dann im Flieger, wird es nicht viel bequemer. Zuerst einmal wollen sie einem für ein paar Euro einen "Priority Check-In" andrehen. Hat man das, kommt man als erstes in den Flieger. Zugewiesene Sitznummern gibt es nämlich nicht. Und ist auch einer der ersten, die die unglaublich hässliche Farbgebung der Kabine und die hässlichen Werbetafeln an den Gepäckfächern bemerken. Hat man sich im Gedränge einen Sitz ergattert, kann man dessen Lehne meistens nicht einmal verschieben. Wenig bequem, Schlaf kaum möglich. Erschwert noch dadurch, dass öfters mal recht laute durchsagen erschallten, die Stewardessen kämen nun sogleich, um einem Mineralwasser, matschige Pizza, Parfum und Lotterielose zu verkaufen. Teuer ist das...
Auf dem Rückweg sollten wir nicht die Nacht, sondern den Tag in Stansted verbringen. Wir fuhren lieber mit dem Zug nach London, um die Stadt zu erkunden. Für 13 Pfund bekamen wir eine Fahrkarte, die auch eine Tageskarte für die Underground einschloss. Und gelohnt hat es sich wirklich. London ist... groß. Beeindruckend. Wunderschön. Auch beeindruckend ist, dass so viele Leute so viel Geld für die Tube ausgeben, obwohl dauernd Strecken ausfallen. Oder dass es sich die Betreibergesellschaft leisten kann, an jeder Station mehrere Leute stehen zu haben, die bei Bedarf (wenn die automatisierten Systeme versagen, was durchaus verkommt) Fahrkarten kontrollieren oder verkaufen. Bei der Anzahl Stationen...
Starten taten wir an der Victoria Station. Erstmal Sandwiches bei W. H. Smith kaufen, einem britischen Supermarkt (der übrigens auch am Flughafen Stansted mindestens drei Filialen hat). Unglaublich gut, unglaublich gesund, und viel zu teuer. Noch teurer als hier, genauer: Die Pfundpreise dort sind höher als die Europreise hier. Aber nicht nur teurer, sondern auch besser. Unglaublich teure Smoothies (diverse pürierte Früchte ohne Zucker oder sonstwas) gab es auch. Die waren auch verdammt gut und gesund. Wenn man sich das leisten kann, ist es ein wundervoller Laden. Genau wie Prêt-À-Manger am Flughafen Stansted. Nur dass es dort auch Biomilch, Müsli, Sushi und Stühle gibt. Mein Kontoauszug wird mich dafür hassen, aber manchmal muss man auch mal sinnlos Geld ausgeben.
Von da spazierten wir dann zum Buckingham Palace. Dort hatte die Garde auch passend zu unseren Ehren einen kleinen Spaziergang nach draußen mit Marschkapelle vorbereitet und fing an, als wir grade angekommen waren. Waren aber zu viele Leute da, als dass ich das hätte fotografieren können. Buckingham Palace ist übrigens enttäuschend hässlich. Dafür hab ich ein Bild von Queen Victoria.
Durch den Park gingen wir dann bis hin zur Westminster Abbey. Eintritt: 10 Pfund. Blieben wir lieber draußen. So viel Zeit hatten wir eh nicht. Also weiter zum Parlament. Ziemlich groß, weia. Sieht wirklich besser aus als der Reichstag. Natürlich hab ich ein Foto von Big Ben gemacht. Anschließend spazierten wir an der Themse entlang zum Tower.
Vorbei kamen wir an Shakespeares Globe. Für den Tower sollten wir dann wieder Eintritt zahlen, und wieder sparten wir uns das. Die Museen sind zwar kostenlos, aber alles was kostet, kostet dann umso mehr. Lieber machten wir uns auf den Rückweg zum Flughafen. Ein Glück, dass wir das zeitig taten, denn die Underground, mit der wir fahren mussten, fuhr natürlich nicht. Also laufen. Nicht bis zum Flughafen, sondern eine Station weit. Was aber in London eine ziemliche Distanz ist. Geht aber alles.
In Tampere waren wir dann gegen elf Uhr. Nach Helsinki fuhr nur noch ein Bus von Ryanair, aber das wussten wir ja schon vorher. So drückten wir nochmal 25 Euro für die Heimfahrt an unsere Lieblingsfluglinie ab. Immerhin kamen wir nach Helsinki und mussten nicht bis zum ersten Zug gegen vier Uhr früh warten.
Wieder um eine Erfahrung reicher geworden. Und was lernen wir daraus? Irland lohnt sich, sogar wenn man eine so kleine Stadt wie Cork besucht. Debattierwettbewerbe lohnen sich auch, selbst wenn man dafür nach Irland fahren muss. Naja, im Grunde ist es ja nur ein Vorwand, um ein paar Tage auf der Insel zu verbringen. Auch London lohnt sich, selbst wenn man die ganze Zeit zwei Taschen mit sich rumschleppen muss und davon Muskelkater in den Schultern kriegt. Nur Ryanair lohnt sich nicht. Vielmehr lohnt es sich, eine anständige Fluglinie zu nehmen. Dann kriegt man wenigstens ein kostenloses Glas Wasser an Bord, und Geld spart man vermutlich auch noch.
Das alles bekamen wir aber erst am Sonntag zu sehen. Waren zwar schon Freitag früh da, aber nach dem nächtlichen Flug schliefen wir erstmal und dann ging schon der Wettbewerb los. Der brachte einiges an Spaß, und ich habe mit (gegen) ziemlich gute(n) Leute gesprochen. Die Stimmung war auch gut, mit fast allen konnte man danach locker reden und sie stellten sich als recht freundlich heraus. Das kam auch bei den Socials (i.e., alle zusammen in eine Bar, von denen alle in Cork um 2 Uhr schließen) der beiden Wettbewerbsabende zugute. Langweilig wurde es jedenfalls Freitag und Samstag nicht im geringsten.
Als am Sonntag alle ausgeschlafen waren, versuchten wir erstmal zu duschen. Untergebracht waren wir in der recht großen Wohnküche einer WG, die eines der Häuschen beim Kampus bewohnte. Irgendeine Intelligenzbestie hatte natürlich in der Nacht die Heizung ausgemacht. Außer dass es beim Aufstehen ziemlich eisig war, fehlte dadurch auch das warme Wasser. Ein Wiedereinschalten der Heizung half nichts. Zum Glück tauchte eine Nachbarin aus der WG nebenan auf und war so freundlich, mich ihr Bad benutzen zu lassen. Nebenbei lästerte sie etwas, das Wasser bei unseren Gastgebern funktioniere dauernd nicht richtig. Irgendwie glaub ich ihr.
Anschließend zogen wir los, ein wenig die Stadt zu erkunden. In Irland ist natürlich am Sonntag alles offen, genau wie in Helsinki. Sehen taten wir halt das Übliche einer Stadt. Die Altstadt scheint sich über ganz Cork zu erstrecken, die Geschäfte sind in den gleichen Häuschen, die in der ganzen Stadt das Bild prägen, und sehen von außen alle aus wie Pubs. Eine gute Buchhandlung und eine Art Flohmarkt mit jeder Menge Krempel fanden wir, insgesamt war es aber wenig aufregend.
Am nächsten Morgen war dann der Flug nach Stansted. Mit Ryanair natürlich. Zu denen sollte ich mal ein Wörtchen verlieren. Wäre ich intelligent gewesen, hätte ich über Aer Lingus gebucht, wäre direkt von Helsinki nach Dublin geflogen und von dort mit einem Zug oder Bus nach Cork. Das wäre mich billiger gekommen als die 300 Euro, die ich bei Ryanair gelassen habe. Dazu kommen Reisekosten nach und von Tampere, denn Ryanair fliegt natürlich nicht von Helsinki-Vantaa. Die Reisepläne sind so sinnvoll, dass man gegen Mitternacht in Stansted ankommt und erst morgens weiterfliegt. Und auf dem ganzen Flughafen gibt es keine Stühle, geschweigedenn Sofas. Eine Nacht auf dem Flughafenfußboden hat aber auch was, zum Beispiel Schlafmangel.
Ist man dann im Flieger, wird es nicht viel bequemer. Zuerst einmal wollen sie einem für ein paar Euro einen "Priority Check-In" andrehen. Hat man das, kommt man als erstes in den Flieger. Zugewiesene Sitznummern gibt es nämlich nicht. Und ist auch einer der ersten, die die unglaublich hässliche Farbgebung der Kabine und die hässlichen Werbetafeln an den Gepäckfächern bemerken. Hat man sich im Gedränge einen Sitz ergattert, kann man dessen Lehne meistens nicht einmal verschieben. Wenig bequem, Schlaf kaum möglich. Erschwert noch dadurch, dass öfters mal recht laute durchsagen erschallten, die Stewardessen kämen nun sogleich, um einem Mineralwasser, matschige Pizza, Parfum und Lotterielose zu verkaufen. Teuer ist das...
Auf dem Rückweg sollten wir nicht die Nacht, sondern den Tag in Stansted verbringen. Wir fuhren lieber mit dem Zug nach London, um die Stadt zu erkunden. Für 13 Pfund bekamen wir eine Fahrkarte, die auch eine Tageskarte für die Underground einschloss. Und gelohnt hat es sich wirklich. London ist... groß. Beeindruckend. Wunderschön. Auch beeindruckend ist, dass so viele Leute so viel Geld für die Tube ausgeben, obwohl dauernd Strecken ausfallen. Oder dass es sich die Betreibergesellschaft leisten kann, an jeder Station mehrere Leute stehen zu haben, die bei Bedarf (wenn die automatisierten Systeme versagen, was durchaus verkommt) Fahrkarten kontrollieren oder verkaufen. Bei der Anzahl Stationen...
Starten taten wir an der Victoria Station. Erstmal Sandwiches bei W. H. Smith kaufen, einem britischen Supermarkt (der übrigens auch am Flughafen Stansted mindestens drei Filialen hat). Unglaublich gut, unglaublich gesund, und viel zu teuer. Noch teurer als hier, genauer: Die Pfundpreise dort sind höher als die Europreise hier. Aber nicht nur teurer, sondern auch besser. Unglaublich teure Smoothies (diverse pürierte Früchte ohne Zucker oder sonstwas) gab es auch. Die waren auch verdammt gut und gesund. Wenn man sich das leisten kann, ist es ein wundervoller Laden. Genau wie Prêt-À-Manger am Flughafen Stansted. Nur dass es dort auch Biomilch, Müsli, Sushi und Stühle gibt. Mein Kontoauszug wird mich dafür hassen, aber manchmal muss man auch mal sinnlos Geld ausgeben.
In Tampere waren wir dann gegen elf Uhr. Nach Helsinki fuhr nur noch ein Bus von Ryanair, aber das wussten wir ja schon vorher. So drückten wir nochmal 25 Euro für die Heimfahrt an unsere Lieblingsfluglinie ab. Immerhin kamen wir nach Helsinki und mussten nicht bis zum ersten Zug gegen vier Uhr früh warten.
Wieder um eine Erfahrung reicher geworden. Und was lernen wir daraus? Irland lohnt sich, sogar wenn man eine so kleine Stadt wie Cork besucht. Debattierwettbewerbe lohnen sich auch, selbst wenn man dafür nach Irland fahren muss. Naja, im Grunde ist es ja nur ein Vorwand, um ein paar Tage auf der Insel zu verbringen. Auch London lohnt sich, selbst wenn man die ganze Zeit zwei Taschen mit sich rumschleppen muss und davon Muskelkater in den Schultern kriegt. Nur Ryanair lohnt sich nicht. Vielmehr lohnt es sich, eine anständige Fluglinie zu nehmen. Dann kriegt man wenigstens ein kostenloses Glas Wasser an Bord, und Geld spart man vermutlich auch noch.
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Montag, 19. November 2007
Fußball im Schnee
Na, zum Beispiel, dass die Leute den Ball praktisch ständig vorm aserbaidschanischen Tor hatten, aber sich nie trauten, mal draufzuschießen. Und wenn sie sich doch mal trauten, schossen sie direkt auf die Abwehrmauer, den Torwart oder die Latte. Das Spiel wirkte etwas unmotiviert. Die Aserbaidschaner hatten es noch viel weniger drauf, einzig das kunstvolle Hinfallen und Beinhalten beherrschten sie perfekt. Genauso perfekt standen sie dann auf, sobald die Bahre mitsamt Rettungssanitätern bei ihnen angekommen war, um sie ins Krankenhaus zu bringen, und spielten weiter, als sei nichts gewesen. Mit ihren Künsten in dem Bereich übertrumpften sie jeden Weltmeister.
Dennoch schafften sie es, ihre einzige Torchance im gesamten Spiel in der Mitte der zweiten Halbzeit umzuwandeln – der finnische Torwart gab sich Mühe, war aber wohl eingefroren, da es das erste Mal während des Spiels war, dass der Ball in die Nähe seines Kastens gekommen war. Und dann auch gleich rein. So ging Aserbaidschan Mitte der zweiten Halbzeit in Führung, nachdem die ganze Zeit so gar nichts passiert war. Schande!
Die finnische Mannschaft begann dann, sich etwas mehr Mühe zu geben. Wie schon zuvor hatten sie viele Chancen, jede Menge Torschüsse, aber das Runde wollte nicht wirklich ins Eckige. Zehn Minuten nach dem Gegentor schafften sie dann aber doch noch den Ausgleich. Kurz drauf dann auch noch der Führungstreffer für Finnland – da ging es schon auf die 90. Minute zu. Gefolgt vom großen Schrecken: Der Ball im finnischen Tor! Aber war Abseits.
Das Spiel ging zu Ende, ohne blamables Ergebnis. Die Leistung war aber doch arg durchwachsen. So schafft man es wohl nicht zur EM. Naja. Übermorgen ist das nächste Spiel. Natürlich saßen wir das ganze Spiel über im Kalten und die Zehen fühlten sich doch arg kalt an. Danach setzten wir uns noch ne Weile ins Warme, um wieder aufzutauen. Hat mir ne feine Erkältung beschert, das Spiel. Wenn ich am Mittwoch wieder zuschaue, dann drinnen an einem Fernseher.
Weiter gibt es noch zu berichten, dass meine Internetverbindung nicht will, wie ich wohl will. Die macht manchmal mit und dann wieder nicht. Das ist die geballte Inkompetenz zweier ehemaliger Staatsunternehmen und Monopolisten: Sonera aus Finnland und Telia aus Schweden, die zur TeliaSonera fusioniert sind, um mich noch besser durch die Verweigerung von Internetleistungen terrorisieren zu können. Die Hotline ist kostenlos, und so ist es auch gar nicht schlimm, dass man meistens über eine halbe Stunde in der Warteschleife hängt, bei unglaublich schlechter finnischer Musik. Und wenn einem die freundlichen Leute dann erzählen, dass sie einem nicht weiterhelfen, aber die Sache schon bei den Netzwerktechnikern ist und sie auch nicht wissen, warum das so lange dauert, dann hat man immerhin kein Geld dafür rausgeworfen.
Mittwoch, 24. Oktober 2007
Essen und was man mit den Resten macht
Ein wichtiger Teil finnischer Kultur, so wird man im Supermarkt sehr schnell feststellen, sind fettreduzierte Lebensmittel. Vollmilch ist nur sehr schwer zu bekommen und schon die fettreduzierte ist offenbar weniger beliebt als... naja, fettfreie Milch. Sieht eklig aus, schmeckt nach Wasser und ist teuer. Aber offenbar beliebt und überall präsent. Was den Käse angeht, so habe ich hier oft die Wahl zwischen 15 und 5% Fettgehalt. Da scheinen die 15% noch als viel angesehen zu werden. Wenn ich an deutschen, französischen oder Schweizer Käse mit weit über 50% denke...
Wobei man den hier nicht kriegt. Es gibt zwar Emmentaler, Gouda und so, aber der kommt aus Finnland. Und hat natürlich auch weniger Fettgehalt als der echte. Schmecken tut der aber (im Gegensatz zur grausigen fettfreien Milch) recht normal, sprich gut. Dann gibt es noch einige rein finnische Sorten, die nochmal weniger Fett zu haben scheinen, so wie der Polar mit wahlweise 15 oder 5% (der schmeckt ein bisschen wie Emmentaler und ein bisschen wie Gouda). Und wenn mans dann gut hat (nicht dass der normale Käse hier billig wäre), kann man zu edel aufgemachten Verpackungen mit Namen wie „Finlandia“ greifen, die die ganz besonderen Sorten enthalten. Ob die besser schmecken, weiß ich allerdings nicht, mir war es das Geld bislang nicht wert. Ich sollte mal einen Test starten, damit ich hier berichten kann.
Der Käse ist übrigens meistens im Block. Käsehobel sind sehr weit verbreitet. Und die Verpackungen sind so intelligent, dass man sie danach wieder zumachen kann (sogar mehrfach, für Leute wie mich, die nicht 200g Käse auf einmal essen).
Dann stellt sich natürlich die Frage: Wohin mit der leeren Verpackung aus Plastikfolie? Und wenn man dann so vor den Mülltonnen des Hauses steht... tja, die Vielfalt ist deutlich größer als gewohnt. Wenn der Käse so gar nicht schmeckt, kann man ihn (genau wie irgendwelche Gemüsereste, Eierschalen, gebrauchten Tee) in den Biomüll werfen. Tonnen für Papier gibt es natürlich auch. Und zusätzlich noch welche für Karton (in die man auch dann Milchpackungen wirft, wenn diese Plastik enthalten!), da darf aber kein normales Papier rein.
Glas wird auch separat entsorgt. Wobei hier grundsätzlich auf allen Getränkeflaschen und -dosen Pfand ist. Wenn man aber ein Glas mit Kapern, Tomatensoße oder so etwas kauft, zahlt man kein Pfand und kann danach zusehen, was man mit dem leeren Glas so tut. Theoretisch sollte es Tonnen für das Glas bei den anderen Mülltonnen im Haus geben. Bei mir aber natürlich nicht. So stehe ich dann immer wieder vor dem Problem...
Und dann steht man immer noch da und fragt sich, wo nun die leere Plastikfolie des Käses hingehört, bei all der Vielfalt. Biologisch abbaubar ist es nun nicht, ebensowenig Papier. Und erfährt irgendwann, dass das einfach in den Restmüll kommt. Nachdem man ein Leben lang durch das Duale System und den Grünen Punkt erzogen wurde, dass Kunststoff separat zu entsorgen ist, ohne wenn und aber. Und jetzt landet das zwischen Hausstaub, alten Schuhen, löchrigen Socken und benutzten Taschentüchern. Es scheinen nicht alle auf der Welt so begeistert von der separaten Plastikentsorgung und -aufbereitung zu sein wie die Deutschen.
Wobei man den hier nicht kriegt. Es gibt zwar Emmentaler, Gouda und so, aber der kommt aus Finnland. Und hat natürlich auch weniger Fettgehalt als der echte. Schmecken tut der aber (im Gegensatz zur grausigen fettfreien Milch) recht normal, sprich gut. Dann gibt es noch einige rein finnische Sorten, die nochmal weniger Fett zu haben scheinen, so wie der Polar mit wahlweise 15 oder 5% (der schmeckt ein bisschen wie Emmentaler und ein bisschen wie Gouda). Und wenn mans dann gut hat (nicht dass der normale Käse hier billig wäre), kann man zu edel aufgemachten Verpackungen mit Namen wie „Finlandia“ greifen, die die ganz besonderen Sorten enthalten. Ob die besser schmecken, weiß ich allerdings nicht, mir war es das Geld bislang nicht wert. Ich sollte mal einen Test starten, damit ich hier berichten kann.
Der Käse ist übrigens meistens im Block. Käsehobel sind sehr weit verbreitet. Und die Verpackungen sind so intelligent, dass man sie danach wieder zumachen kann (sogar mehrfach, für Leute wie mich, die nicht 200g Käse auf einmal essen).
Dann stellt sich natürlich die Frage: Wohin mit der leeren Verpackung aus Plastikfolie? Und wenn man dann so vor den Mülltonnen des Hauses steht... tja, die Vielfalt ist deutlich größer als gewohnt. Wenn der Käse so gar nicht schmeckt, kann man ihn (genau wie irgendwelche Gemüsereste, Eierschalen, gebrauchten Tee) in den Biomüll werfen. Tonnen für Papier gibt es natürlich auch. Und zusätzlich noch welche für Karton (in die man auch dann Milchpackungen wirft, wenn diese Plastik enthalten!), da darf aber kein normales Papier rein.
Glas wird auch separat entsorgt. Wobei hier grundsätzlich auf allen Getränkeflaschen und -dosen Pfand ist. Wenn man aber ein Glas mit Kapern, Tomatensoße oder so etwas kauft, zahlt man kein Pfand und kann danach zusehen, was man mit dem leeren Glas so tut. Theoretisch sollte es Tonnen für das Glas bei den anderen Mülltonnen im Haus geben. Bei mir aber natürlich nicht. So stehe ich dann immer wieder vor dem Problem...
Und dann steht man immer noch da und fragt sich, wo nun die leere Plastikfolie des Käses hingehört, bei all der Vielfalt. Biologisch abbaubar ist es nun nicht, ebensowenig Papier. Und erfährt irgendwann, dass das einfach in den Restmüll kommt. Nachdem man ein Leben lang durch das Duale System und den Grünen Punkt erzogen wurde, dass Kunststoff separat zu entsorgen ist, ohne wenn und aber. Und jetzt landet das zwischen Hausstaub, alten Schuhen, löchrigen Socken und benutzten Taschentüchern. Es scheinen nicht alle auf der Welt so begeistert von der separaten Plastikentsorgung und -aufbereitung zu sein wie die Deutschen.
Sonntag, 7. Oktober 2007
Debatten und Milch

Daneben habe ich auch unglaublich gesunden Apfel-Guave-Saft gekauft. Laut Zutatenliste besteht der zu 95% aus Apfelsaft, zu 5% aus Guavensaft, zu 1,5% aus Sojaprotein und zu geringeren Anteilen aus anderen unglaublich gesunden Dingen (wie zum Beispiel Gefilus-Bakterien). Ich bin begeistert... mehr als 100% der Zutaten sind gesunde Dinge. Gut schmecken tut es jedenfalls.
Dienstags gibt es hier an der Uni die Treffen des Debattierklubs und ich hab mich mal hingewagt. Sehr interessant, muss ich schon sagen. Ich durfte eine Rede darüber halten, weshalb es der Presse erlaubt sein sollte, selbst die ekligsten Bilder aus dem Krieg zu zeigen, ohne jegliche Einschränkungen. Macht schon Spaß. Wenn man mitmacht, bekommt man ein Thema und eine Position vorgegeben, die man nach 15minütiger Vorbereitungszeit in einer fünf- oder siebenminütigen Rede erläutern und verteidigen muss - Zwischenfragen zugelassen. Da sind dann auch schonmal welche (unfreiwillig) für die Einführung von Prügelstrafen als Alternative zu Bußgeldern und kurzen Gefängnisaufenthalten. So ganz ernsthaft ist es nie, und das macht den Reiz dabei aus.
Donnerstag gab es eine Erasmusparty in einem Club. Ich bin brav zur Happy Hour hin, an der Garderobe vorbei, mit meiner Jacke rein, Bier für einen Euro gekauft. Schmeckte natürlich schrecklich. Der Ort war ganz geräumig, aber noch niemand da. Als einer der Türsteher mich sah, meinte er, ich müsse zur Garderobe gehen und meine Sachen abgeben (was übrigens 2 Euro kostet). Dann nahm er mir ohne weiteren Kommentar mein Bier weg und ging. Das sind vielleicht Sitten... Bin dann nicht zur Garderobe, sondern nach Hause. Glaube nicht, dass ich dort nochmal hingehe.
Übers Wetter sollte ich wohl auch noch berichten: Schrecklich. Grade scheint die Sonne, aber Wolken sehe ich trotzdem und vermutlich regnet es auch heute wieder. Wie jeden Tag. Warm ist es auch nicht grade. Ich warte sehnsüchtig auf Schnee und Eis, das ist weniger deprimierend als dieses ewig Diesige. Außerdem rutschen die Busse dann so lustig.
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